Unterwegs im Golden Circle

Auf irgend einer Broschüre stand dieser Name, und obschon wir nicht sicher sind, ob die Leute in Kanada und Alaska ihn als Bezeichnung für ihre Region anerkennen oder überhaupt kennen, benutzen wir ihn trotzdem. Er beschreibt die Rundreise Skagway – Whitehorse – Haines – und allenfalls zurück nach Skagway. Diesen letzten Teil machen wir nicht, da wir die Fähre nach Juneau und weiter nach Prince Rupert nehmen.

Der Name gefällt uns deshalb so gut, weil es wirklich viel zu bestaunen gibt auf dieser Rundreise. Da wir von Norden her kamen, machten wir zuerst einen Halt in Whitehorse, bevor wir an unseren Ausgangspunkt Skagway weiter fuhren. Bereits auf dem Weg nach Süden änderte sich das Klima. Es wurde warm im Auto, die Sonne schien. So stark, dass wir in Carcross bei blauem Himmel auf einer Sonnenterrasse ein Eis assen.

Die Fahrt führt vorbei am Emerald Lake, der tatsächlich smaragdgrün leuchtet, an der „kleinsten Wüste der Welt“, an der Yukon Suspension Bridge (die eigentlich in British Columbia liegt), doch das eigentliche Spektakel bietet die Natur. Fantastische Sicht auf Berge und Seen, gefolgt von einer alpinen Felslandschaft, der Grimselwelt nicht unähnlich. Dann folgt der Übergang über den White Pass, bevor man in Richtung Alaska hinunter in ein enges Tal mit diversen Wasserfällen sticht.

In Skagway nahmen wir die White Pass & Yukon Route Eisenbahn bis hinauf auf die Passhöhe und zurück. Die Bahn wurde, wie alles in der Region, im Zuge des Goldrauschs im Jahr 1898 erbaut, und erklimmt in gut 90 Minuten die steile Flanke auf der Seite Alaskas.

Von Whitehorse in Richtung Haines gibt es eigentlich nur die Kreuzung von Alaska Highway und Haines Road, die Haines Junction. Kurz vorher biegt noch eine Schotterstrasse nach Norden ab. Sie führt zu den Otter Falls, die einst auf der kanadischen Fünfdollarnote abgebildet war. Allerdings ist die Strasse sehr holprig, die Fälle kommen erst nach 28km, und sie entlöhnen kaum für die knappe Stunde Fahrt hierhin. Dafür der Canyon Lake dahinter. Wären nicht die Wasserfälle direkt am See, es wäre absolut still.

Schon kurz darauf biegen wir nicht nach Westen ab, sondern folgen der Haines Road nach Süden. Und schon wieder tritt man in eine neue Welt ein. Inmitten der Berge schlängelt sich die Autobahn – aber mit gut 30km Platz auf beiden Seiten. Sowieso scheint hier alles grösser, weiter. Man hat mehr von allem. Mehr Berge, mehr Platz, mehr Bäume, mehr Strasse(nkilometer), mehr Himmel. Nur weniger Leute, weniger Häuser, und absolut kein Gegenverkehr.

Unser Tagesausflug in den angrenzenden Kluane Nationalpark ist spektakulär. Am Highway ist ein Parkplatz, von dort aus geht’s knapp 4km durch den Wald. Was dahinter folgt, entlöhnt für alle Strapazen: „der kleine, aber schöne St. Elias See“. Nun, das liegt wohl an der Einstellung, aber wir finden je kleiner desto schöner, und tatsächlich, der See ist wunderschön. Spiegelglatte Wasseroberfläche und glasklares Wasser, man sieht die Fische noch weit draussen bis zum Grund und kann sie mit den Augen verfolgen. Die Bergkulisse spiegelt sich im See. Hier feiern wir unseren 1. August, ganz ohne Traditionalismus und Feuerwerk, mit einem Sandwich und selbstgemachtem Trail Mix.